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EINE KRÄHE NAMENS WIEBKE

Aktualisiert: 8. Jan.

Ich schwöre, diese Geschichte ist wahr. Leider ohne Beweis, weil ich mein Handy zu Hause vergessen hatte. Aber glaub mir: Es gibt Arschloch-Krähen. Und sie mobben Bullis.

Setz dich. Es geht los!


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Ich war heute mit Tessa und Georg Gassi. Logisch. Machen wir ja jeden Tag.

Man muss ja. Sonst wird’s zu Hause kreativ. Und zwar nicht im positiven Sinne.

Eher so: Innenarchitektur trifft Abrissbirne.


Wir laufen also am Feld entlang.


Idyllisch. Natur. Vogelgezwitscher. Herrlich!


Ein Moment, in dem man seinen Gedanken nachhängt. Den Bullis beim Spielen zusieht. Und den lieben Gott einfach mal einen guten Mann sein lässt.


Dann war da eine Krähe. Keine normale Krähe. Eine mit Zeit, Langeweile und Agenda.


Sie flog extra tief über Tessas und Georgs Köpfe.


So tief, dass man sofort wusste: Das war kein Versehen. Das war Provokation.


Dann setzte sie sich aufs Feld. Krächzte laut.

So ein Krächzen, das klingt wie: "Na? Ihr Arschgeigen?"


Normalerweise interessieren sich meine zwei Bumsbirnen nicht für Gefieder, das auf dem Feld rumlungert. Die sind eher pragmatisch. Die sortieren ihre Umwelt sehr effizient. Nach einem sehr einfachen System:

"Kann man es fressen?" Eventuell.

"Kann man es zerlegen?" Definitiv.

Gut. Dann wird’s ernst.


In ihren inneren Augen gab es da schon einen knusprigen Krähenbraten.

Sauber angerichtet wie im 3-Sterne-Restaurant. Mit Petersilienblatt.

Vielleicht sogar ein bisschen Soße.

Nicht aus Hunger, denn die bekommen wirklich genug zu Fressen. Aus Prinzip.


Die Krähe allerdings hatte auf diese Illusion so gar keine Lust.


Sie flog extra tief. Setzte sich hin. Krächzte.

Und meine Bullis rannten. Vollgas! Huiiiiii. So schnell wie sonst nie.


Ich möchte an dieser Stelle betonen: Ich animiere meine Bullis nicht zum Jagen.

Ich rufe direkt ab. Nicht nur, weil ich nicht möchte, dass ein Tier verletzt wird. Sondern auch, weil es vollkommen sinnlos wäre. Meine zwei wären jagdlich ungefähr so erfolgreich wie eine Kuh beim Fliegen.


Dazu musst Du wissen, dass Bullterrier nicht auf Intelligenz gezüchtet sind. Die sind auf Überzeugung gezüchtet. Hinter den Augen arbeitet ein Erbsenhirn. Sehr motiviert. Sehr bemüht. Aber ohne langfristiges Konzept.


Die Krähe hat das sofort erkannt. Ein Blick. Ein kurzer innerer Taschenrechner.

Ergebnis: "Die mach ich fertig!"


Wir nennen sie Wiebke. Weil Wiebke klingt wie jemand, der in der Pause Deine Brotdose klaut und Dir danach hilft, sie zu suchen.


Wiebke flog. Setzte sich hin. Krächzte.


Tessa und Georg rannten wieder los, als gäbs kein Morgen.


Wiebke flog wieder. Setzte sich wieder hin. Keine zehn Meter weiter. Krächzte noch lauter und flatterte mit den Flügeln. Aus Spaß. Aus Gehässigkeit.


Meine Bullis rannten wieder. Mit derselben Hoffnung. Wie Menschen, die zum dritten Mal den selben Fehler machen und ihn diesmal "Chance" nennen. Ich beobachtete dieses Schauspiel ein paar Minuten.


Und dann hab ich versucht, es zu erklären.

Ich hab gesagt: "Hört mal. Wiebke verarscht Euch. Ihr habt keine Flügel. Ihr könnt nicht fliegen. Das ist absolut unmöglich."


Ich hab langsam gesprochen. Deutlich. So, wie man spricht, wenn blöd geboren, nichts dazugelernt und die Hälfte vergessen keine Beleidigung mehr ist, sondern eine Zustandsbeschreibung.


"Diese Krähe hat Flügel. Die ist schneller. Die ist oben. Ihr seid unten. Das ist Physik."


Tessa und Georg guckten mich an. Kurz. Leer. Dann wieder Vollgas Richtung Wiebke.

Weil Überzeugung antreibt. Sturheit stabilisiert. Und Denken nicht weiter stört.


Die Krähe wollte nichts Anderes, als meine Bullis verarschen. Sie sah sich nicht als Opfer. Im Gegenteil.


Sie wusste: Physik arbeitet auf ihrer Seite. Bullterrier fliegen nicht.


Irgendwann dachte ich: Nää! Also jetzt reicht’s. Weil irgendwann ist das kein Spaß mehr. Das ist Mobbing. Das ist Diskriminierung. Ganz klar. Nur weil meine Bullis keine Flügel haben und zu fett zum Fliegen sind.


Als liebende Bulli-Mutti gehört es zu meiner Verantwortung, diese sensiblen Seelen vor öffentlicher Demütigung durch Krähen zu schützen.


Also hole ich die Pfeife raus. Pfeife die beiden ab. Weil sie meiner Meinung nach jetzt auch einfach genug gelitten haben. Außerdem war ihr körperlicher Zustand eher im Bereich "Restenergie".


Ein bisschen freue ich mich ja über die Extra-Bewegung. Das schadet den Speckschweinchen nicht. Aber jetzt ist Schluss.


Die Krähe sieht, dass Tessa und Georg zu mir rennen. Also macht sie das, was Krähen in solchen Situationen machen. Sie fliegt. Krächzt. Und setzt sich demonstrativ auf einen Baum. Ganz nach dem Motto: "Guck mal. Klettern könnt ihr nämlich auch nicht."


Tessa und Georg gucken noch mal kurz zu Wiebke hoch. Dann rannten sie weiter zu mir.


Physik verliert selten gegen Überzeugung. Aber manchmal gegen richtig geile Leckerlis. Kekse in die Bullis und ab nach Hause.


Auf dem Heimweg hänge noch einen Moment meinen Gedanken nach.

Ich bin überzeugt: Wiebke ist eine frustrierte Dumpfbacke.

Aber man sieht sich immer zweimal im Leben.


Wir gehen weiter nach Hause. Wie jeden Tag.


Mit dem Wissen, dass auf diesem Feld eine Krähe namens Wiebke lebt, die Bullterrier mobbt.

Und die weiß, dass sie morgen wieder Zeit und Langeweile haben wird.

Und ich weiß: Wir gehen da wieder lang. Logisch.

Und Tessa und Georg werden es wieder versuchen.

Nicht, weil sie etwas gelernt hätten. Sondern weil sie Überzeugung haben.


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Zu Hause gab es dann Mittagessen.

Und nur damit sich meine Bull

is emotional wieder stabilisieren, hab ich ihnen erzählt, dass es heute kein Huhn gibt. Sondern Krähe. Extra frisch. Gewolft. An einem frischen Gemüsebett. Mit Petersilie garniert. Ich glaube, es hat ihnen ganz besonders gut geschmeckt.

Danach kuschelten sie sich zufrieden zusammen. Satt. Entspannt. Im Reinen mit sich selbst.

Ich schaute den beiden beim Schlafen zu und dachte: Ich liebe Euch. Sehr. Auch wenn ihr manchmal ein bisschen einfältig seid. Und das wirklich konsequent.






 
 
 

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